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Fortschritt im Schneckentempo

Warum stehen Frauen am Ende ihres Erwerbslebens oft mit Renten da, die kaum das Überleben sichern? Und warum leben in einem so reichen Land wie Deutschland so viele Frauen, ob alt oder jung, an der Armutsgrenze? um diese und andere Fragen ging es im Offenen Frauentreff, zu dem die Gleichstellungsbeauftragte der VG Puderbach Ute Starrmann unter dem Titel "Armut ist weiblich" in den Diakonie-Treff in der Puderbacher Ortsmitte eingeladen hatte. Dem Vortrag der Gleichstellungsbeauftragten über Gründe der Frauenarmut hörten die zahlreich erschienenen Frauen interessiert zu.

 

 

Nirgendwo sonst in Europa und den USA tragen Frauen so wenig zum Familieneinkommen bei wie in Deutschland. Die Gründe warum Frauen weniger in die Rentenkasse einzahlen sind vielfältig: Erziehungszeiten, Pflege von Angehörigen, Teilzeit- und Minijobs sowie das Leben als Alleinerziehende. Auch deutsche Arbeitgeber und Unternehmen sind oftmals noch nicht bereit für ein modernes Rollenbild der Familie.

 

Frauen mit kleinen Kindern finden oft keinen Vollzeitjob und müssen auf Teilzeit- und Minijobs ausweichen, da auch immer an die Betreuungsmöglichkeiten in Kindergarten und Schule gedacht werden muss. Durch diese Jobs zahlen sie aber weniger in die Rentenkasse ein. Zugleich verdienen Frauen bis zu 21% weniger Gehalt als Männer. Der durchschnittliche Stundenlohn einer Frau liegt bei 16,26 Euro, Männer bekommen dagegen im Durchschnitt 20,71 Euro. Durch das Ehegattensplitting profitieren steuerrechtlich gesehen beide Ehepartner, aber nur weil die Ehefrau weniger verdient oder gar nicht arbeiten geht. Scheitert eine Ehe, droht oft die Armut, da nach dem neuen Unterhaltsrecht der Unterhalt stark begrenzt ist und grundsätzlich jeder für sich alleine sorgen muss. Zudem zeigen Studien, dass Frauen weniger Interesse an finanzieller Absicherung und Altersvorsorge zeigen. Dabei sind Frauen laut Studie besonnene Anleger, die Kapital gut einteilen und verwalten.

 

Nach dem Vortrag wurde an den einzelnen Tischen noch weiter diskutiert. Alle waren sich einig, dass es bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder geben muss, damit eine Frau auch Vollzeit arbeiten kann. Gleichzeitig müssen aber auch die Arbeitgeber flexibler werden. Dass immer mehr Männer in Elternzeit gehen, ist nur ein Anfang. Leider gibt es hin zur wahren Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern meistens nur Fortschritt im Schneckentempo. Die Wichtigkeit von entsprechenden Rentenbeiträgen über das gesamte Erwerbsleben, um der Armut im Alter vorzubeugen, wird oft von Frauen in jungen Jahren unterschätzt.

 

Informationen zur Frauenarmut

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